Überdosis Fotografie – Wenn Motive langweilig werden

Wie kommt es zu einer Überdosis Fotografie?

Ich habe die letzten 10 Jahre intensivst fotografiert (hier siehst Du was ich fotografiert habe). Ich habe sehr viel gesehen, bin viel gereist und habe entsprechend viele Fotos gemacht. Irgendwann kommt dann der Moment, wo es einem zu viel wird. Dann wo man sich keine Bilder mehr anschauen kann und wo man an einer Überdosis Fotografie leidet. Das konnte ich mir vor 10 Jahren gar nicht vorstellen. Doch heute ist es so, dass ich gar keine Kamera mehr mitnehme und meistens nur noch mit dem Smartphone fotografiere. Ich wische durch die Flut an Bildern im Internet und langweile mich nur noch. Und wenn dann mal 1 von 100 interessant ist, hat man wirklich grosses Glück.

 

Überdosis Fotografie

 

Der Sonnenuntergang ist wohl das ausgelutschteste Motiv überhaupt

Ich denke, jeder hat schon mal einen Sonnenuntergang fotografiert und jeder weiss, wie gleich solche Bilder aussehen. Da aber das Wetter in den letzten Tagen und Wochen so gut, wie selten jemals, war ich des öfteren mit einem Sonnenuntergang konfrontiert. Ich dachte mir, jetzt versuchst Du mal aus einem der meistfotografiertesten Motiven etwas besonderes zu schaffen. Da ich jeweils nur das Smartphone hatte, habe ich diese Aufgabe damit ausgeführt.

 

Überdosis Fotografie

 

Egal wie Du es machst, das Resultat langweilt Dich

Ich habe mir bei jedem Motiv immer von neuem überlegt, wie ich es ins Bild setzen möchte. Habe mein ganzes Wissen an Bildgestaltung sowie meine ganze Kreativität ins Bild gepackt, die Bilder mit Snapseed möglichst realitätsfremd und kitschig bearbeitet, so dass man rot wurde, wenn man es mit der Realität verglich. Aber es hat alles nicht geholfen. Das Motiv blieb langweilig, weil ich einerseits an einer Überdosis Fotografie leide und andererseits von so etwas nicht mehr angetan bin.

 

Überdosis Fotografie

 

Mir ging es nur noch um die Herausforderung

Was mich immer wieder antrieb, am Abend auf die andere Seite des Sees zu gehen, war wohl nur noch die Herausforderung, ein wirklich geiles Bild vom Sonnenuntergang zu machen, welches noch nie da war und ich vielleicht irgendwo verwenden oder zeigen könnte. Diese Illusion musste ich schnell begraben, denn keiner meiner ehemaligen Community möchte von mir so ein Bild sehen. Es kann sein, dass viele Nichtfotografen aus alles Welt schwach würden, wenn sie eines dieser Bilder sehen. Vielleicht, weil sie keinen See haben, keine schönen Sonnenuntergänge wie am Zugersee oder einfach, weil sie der Überdosis Fotografie noch nicht verfallen sind.

 

Überdosis Fotografie

 

Fazit oder was ich daraus gelernt habe?

Ich stelle bei mir immer wieder fest, dass ich Dinge mit höchster Aufmerksamkeit und Motivation für einen bestimmten Zeitraum mache und es dann nach dieser Zeit plötzlich langweilig wird. Ich erlange ein gewisses Level, eine Befriedigung, die Herausforderung gemeistert zu haben und merke dann, dass der Aufwand, noch weiter zu kommen, zu gross wird. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, etwas anderes zu machen. Obwohl ich in dem gut war, was ich machte und es für viele Menschen schön wäre, so was anzuschauen. Aber für mich erfüllt es den Zweck nicht mehr bzw. genügt es den Anforderungen nicht mehr. Also publiziere ich diese Bilder nur in diesem Blog Artikel und sonst nirgendwo.

 

Überdosis Fotografie

 

Was kann man gegen eine Überdosis Fotografie tun?

Ich dachte, es geht sicher irgendwann vorüber. Habe mich mit dem Lesen von Büchern und der Umsetzung von kleinen Projekten beschäftigt. Das half zeitweise ganz gut, aber langfristig fasziniert und motiviert mich das nicht so, wie es die Street Fotografie damals tat. Die Frage ist nun, was ist das nächste grosse Ding? Ich weiss es auch nicht, bleibe dran und schaue, was passiert. Vielleicht muss ich einfach noch 1000 gute Bilder vom langweiligen Sonnenuntergang am Zugersee machen, um zu erkennen, dass Stricken wohl das bessere Hobby ist.

Ergeht es Dir ähnlich? Dann schreib Deine Erfahrungen in die Kommentare.

 

Überdosis Fotografie

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Thomas Leuthard hat lange Zeit intensiv auf der Strasse fotografiert, bis ihm diese Art der Fotografie keinen Spass mehr machte. Nun experimentiert er in den verschiedensten Bereichen der Fotografie und unterstützt das Fotichaestli Team bei Informatik & Social Media Fragen.

2 Responses

  1. Das Gefühl kenne ich, jedoch bin ich nach einer kleineren oder grösseren Pause wieder motiviert. Vielleicht habe ich noch diese Überdosis wie du erreicht – vielleicht motiviert mich etwas im Unterbewusstsein – die Demotivation spüre ich jedoch meist wenn sich eine Reise von 9 Tagen nur um die Fotografie dreht und jeden Tag dem Licht hinterher renne, danach möchte ich keine Kamera mehr anfassen.
    Die Reaktionen auf die Bilder ist zwar „wow“ – ich selbst kann diesen „wow“-Effekt höchstens mit einem Schultern zucken erwidern, denn in dem Moment hab ich einfach genug.

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