Einstieg in die Langzeitbelichtung bzw. fischen mit der Kamera

Warum Einstieg in die Langzeitbelichtung?

Nachdem ich nicht mehr wirklich auf der Strasse fotografiere und täglich einen Einblick in die verschiedensten Produkte im Fotichaestli bekomme, sehe ich ab und zu Bereiche, die mich auch interessieren würden. Da ich von Natur aus faul bin, mag ich nicht zu viel Material rumschleppen, geschweige denn viel Aufwand betreiben. So gesehen ist der Einstieg in die Langzeitbelichtung relativ einfach. Natürlich benötige ich ein Stativ, aber da kann ich auch ein kleines mitnehmen. Auf einem Kurztrip nach Hamburg, wo ich auch die Cinemagraphie ausprobiert habe, waren auch zwei Haida Filter im Gepäck. Zuerst wollte ich ja nur mit einem Haida PROII MC 46mm Graufilter ND3.0 1000x losziehen. Zum Glück habe ich diesen vor der Reise noch ausprobiert, denn damit konnte ich am Tag und mit Blende f/22 maximal 20 Sekunden belichten, bis das Bild überbelichtet war. Das war natürlich viel zu kurz, um vorbeiziehende Wolken weich darzustellen. Hier das Bild vom ersten Versuch mit nur einem ND3.0 Filter:

 

Einstieg in die Langzeitbelichtung
12mm – f/22 – 15s – ISO 200 – ND3.0

 

Was war mein Ziel?

Ich habe mir ganz klar ein Ziel gesetzt. Ich möchte Architektur Fotos machen, wo der Himmel verwischte Wolken zeigt. Also musste ich mit Wetter aussuchen, wo es nur vereinzelte Wolken hat, die sich möglichst schnell bewegen oder eben sehr lange belichten, wenn sie eher still stehen. Der Auftrag war also klar. Kamera, Weitwinkelobjektive und ein Stativ hatte ich schon. Die beiden ND3.0 1000x Filter hat mir Markus zur Verfügung gestellt. Nun musste ich nur noch interessante Motive finden, welche architektonisch interessant waren und einen Blick in den Himmel voraussetzten. In Hamburg war das relativ einfach, da dort sowohl die Wetterlage wie auch die Architektur passend war. Zu Hause war es etwas schwieriger. Aber wenn man sich einen Ausschnitt eines Gebäudes vorstellen kann, kann man auch nur Teile davon verwenden, was dann wieder einfacher geht. Oder man lässt sich durch andere Fotografen inspirieren und findet dann solche Motive:

 

Einstieg in die Langzeitfotografie
17mm – f/4.0 – 85s – ISO 200 – 2xND3.0

 

Was waren die Herausforderungen?

Meine grösste Herausforderung war die Zeit bzw. meine Geduld. Es dauert jeweils 2-5 Minuten, bis ich mir das fertige Bild anschauen und Korrekturen an den Einstellungen vornehmen konnte. Ich weiss, dass genau das die Faszination der Langzeitfotografie ausmacht. Man muss die Geduld aufbringen, um aus verschiedenen Faktoren ein schönes Bild herzustellen. Ich bin mich gewohnt, dass sehr viele Faktoren wichtig sind. Nur war der Faktor Zeit auf der Strasse immer extremst kurz und man konnte in sehr kurzer Zeit, sehr viele Motive festhalten. Damit musste ich klar kommen. An anderer Faktor waren die Wolken. Ich konnte den perfektesten Spot finden, mein Stativ aufbauen und alles optimal ausrichten. Wenn dann die Wolken nicht kamen, zu dicht waren oder die Sonne zu stark einfiel, war alles für die Katz. Natürlich hilft es nicht, sich über Dinge aufzuregen, die man nicht ändern kann. Das Einzige, was man tun konnte, war warten. Dann empfiehlt sich, zu zweit raus zu gehen, Musik zu hören oder zu telefonieren, um die Wartezeit zu überbrücken. Deshalb erinnerte mich diese Art der Fotografie immer ans Fischen.

 

Einstieg in die Langzeitbelichtung
12mm – f/3.2 – 390s – ISO 200 – ND6.0

Und was habe ich gelernt?

Einerseits habe ich wieder mal viel über Kameraeinstellungen und meine Kamera gelernt. Ferner braucht es nicht unbedingt zwei ND3.0 Filter. Es wäre wohl besser einen ND3.0 und einen ND1.8 Filter zu nehmen, damit etwas flexibler ist. Ich würde auch nicht mehr einen 46mm Filter kaufen, der nur auf zwei Objektive passt. Vielmehr würde ich Filter mit einem Durchmesser von 62mm (für mein grösstes Objektiv) nehmen, um diese dann mit einem Step-Up Filter für andere Objektive verfügbar zu machen. Und wenn ich mir die Bilder ein voller Auflösung anschaue, wünsche ich mir, dass ich jeweils die Rauschreduzierung aktiviert hätte. Diese habe ich abgeschaltet, weil es nach dem Belichten nochmals gleich lang dauerte, um das Rauschen rauszurechnen. Das hätte meine Geduld ich nicht überlebt…

 

Einstieg in die Langzeitbelichtung
12mm – f/2.0 – 90s – ISO 200 – ND6.0

Mein Fazit

Eine spannende Art der Fotografie, die viel Freude bereitet, entschleunigt und man gut zu zwei machen kann, so wie fischen halt. Und wenn ich nur zwei Filter (ND1.8 + ND3.0) für ein Objektiv kaufe, ist der finanzielle Aufwand auch nicht riesen gross. Natürlich gibt es auch grosse Systeme, die gesteckt und nicht geschraubt werden, aber das ist eine andere Liga. Mir reichen zwei kleine Filter, die gestackt in der Hosentasche ganz wenig Platz benötigen. Ich werde sie bestimmt wieder mal mitnehmen, wenn ich raus gehe.

 

 

Einstieg in die Langzeitbelichtung
12mm – f/2.8 – 80s – ISO 200 – ND6.0

 

Einstieg in die Langzeitbelichtung
12mm – f/2.0 – 90s – ISO 200 – ND6.0

 

Einstieg in die Langzeitbelichtung
12mm – f/3.2 – 120s – ISO 200 – ND6.0

 

Einstieg in die Langzeitbelichtung
12mm – f/3.2 – 360s – ISO 200 – ND6.0
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Thomas Leuthard hat lange Zeit intensiv auf der Strasse fotografiert, bis ihm diese Art der Fotografie keinen Spass mehr machte. Nun experimentiert er in den verschiedensten Bereichen der Fotografie und unterstützt das Fotichaestli Team bei Informatik & Social Media Fragen.

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