Die surreale Welt der Cinemagramme

Was sind Cinemagramme?

Cinemagramme (engl. Cinemagraph) sind Standbilder, die eine oft kleine, sich wiederholende Bewegung enthalten. Sie erscheinen dem Betrachter eher als Bild, statt einem kurzen Video. Cinemagramme werden erzeugt, indem eine Serie von Fotografien oder ein Video aufgenommen werden und mit Hilfe von einer Bildbearbeitungssoftware in eine sich endlos wiederholende Bildfolge gesetzt werden. Das tönt nun etwas technisch und kompliziert, ist aber relativ einfach und eine witzige Spielerei für zwischendurch.

Was benötige ich für eine Ausrüstung?

Du benötigst ein Smartphone oder eine Kamera, mit der Du FullHD (1920 x 1080) Videos aufnehmen kannst sowie ein Stativ. Ich denke, jeder Fotograf hat diese beiden Dinge bei sich zu Hause. Also kannst Du sofort loslegen. Ich habe alle meine Cinemagramme mit einem Samsung Galaxy S7 Edge, einer Sunwayfoto CPC-01 Smartphone Halterung und einem Sunwayfoto Carbon Stativ gemacht. Am Ende des Tages ist die Ausrüstung weniger wichtig, Hauptsache die Kamera steht stabil und ruhig.

Cinemagramm Setup

Was muss ich bei der Erstellung beachten?

Das Wichtigste bei einem Cinemagramm ist auf jeden Fall die Idee bzw. der Bildausschnitt. Du musst Dir vorab eine statische, eingefrorene Szene ausdenken, welche zusammen mit einem dynamischen Objekt eine gewisse Spannung erzeugt, lustig ist oder eine Geschichte erzählt. Dabei ist es auch elementar wichtig, dass sich diese beiden Elemente nicht überlagern und sich nicht in die Quere kommen. Am besten fängst Du ganz einfach an und lässt nur ein Objekt oder einen kleinen Bereich bewegen. Dann stellst Du Deine Kamera auf das Stativ, wählst den richtigen Bildausschnitt und lässt das Video laufen. Bitte beachte, dass Du nur 1920×1080 Pixel zur Verfügung hast und nicht mehr gross beschneiden kannst.

Hier in paar einfache Beispiele, welche leicht zu realisieren sind:

 

 

 

Was benötige ich für Software?

Für die Bearbeitung benötigst Du entweder eine spezielle App bzw. Software für Cinemagramme. Du kannst aber auch Photoshop bzw. Gimp dafür verwenden (siehe YouTube). Am besten suchst Du mal bei Google nach Cinemagraph Software, dann findest Du LoopsieCinemagraph Pro, Graphitii, ClipGraph, etc. Ich habe Cinemagraph Pro verwendet. Das Produkt ist entweder ein Video oder ein animiertes GIF wobei das GIF viel grösser als das Video werden kann.

 

Wo liegt nun die Herausforderung?

Wesentlich ist, dass Du das Bild schon vorher zu 100% im Kopf hast und es in verschiedene Bereiche einteilst. Es gibt einerseits einen statischen Bereich, der aber auch ein eingefrorenes Objekt beinhaltet, welches sich sonst bewegt. Dann gibt es einen dynamischen Bereich, welcher sind ganz normal wie in einem Video bewegt. Wenn sich diese Bereich nicht berühren oder überlappen ist es in der Erstellung sehr einfach. Überlappen sich diese Bereich, musst Du das eingefrorene Objekt sauber ausschneiden. Dabei musst Du wissen, dass dieses immer im Vordergrund sein wird und alles andere hinten dran stattfindet. Wenn also jemand durchs Bild läuft, darf er das nicht vor dem statischen Objekt tun, sonst funktioniert es nicht. Aber am besten fängst Du einfach mal an und Du wirst sehr schnell sehen, auf was es ankommt.

 

 

 

 

Cinemagramme für Fortgeschrittene?

Sobald Du den Grundlagen entwachsen bist, kannst Du versuchen, komplexere Cinemagramme zu erstellen. Dabei spielst Du mir mehreren Protagonisten und Ebenen. Bei den Skatern war es schwierig, sie am richtigen Ort durchfahren zu lassen, so dass keiner das springende, statische Motiv verdeckt. Ferner musst Du das alles mit einem Video Take machen, der aber unbeschränkt lang sein kann. Also musst Du Dir merken, wo der Eine gesprungen ist, bevor Du die Anderen anweist, durchs Bild zu fahren.

 

Nach einer gewissen Zeit wirst Du merken, dass Du überall nach Motiven suchst und diese auch sofort erkennst. Wir kamen in eine Bar am Bahnhof, wo ein Zug stand und ich sofort das Potential erkannte. Also schnell das Stativ aufgestellt, Kamera ausgerichtete, Video gestartet, mich dann hingesetzt für das statische Motiv und dann die Kamera so lange laufen lassen, bis der Zug abfuhr. Das einzige Risiko war, dass jemand im Moment des fahrenden Zuges vor der Kamera durchläuft. Ansonsten kann eigentlich nichts passieren, wenn das Stativ stabil steht, der Akku voll und die Speicherkarte leer ist.

 

Spannend wird es in der Stadt, wenn Du das Bild nicht inszenieren kannst. Du suchst Dir einen Standort, wo die Elemente passen könnten. Ein spannender Vordergrund links, das Tram im Hintergrund sowie einen Statisten als eingefrorenes Element. Zuerst benötigten wir jemand, der alleine ins Bild läuft, um dann die Strassenbahn hinten durchfahren zu lassen. Dies war in einer Stadt wie Amsterdam auf dem Bahnhofplatz nicht ganz so einfach, weil es viel zu viele Menschen hatte. Aber das Schöne ist ja, dass man einfach lange genug warten kann, bis alle Elemente im Kasten sind. Das Standbild muss übrigens nicht zuerst aufgenommen werden, es kann auch erst am Ende des Videos passieren.

 

Ich bin aktuell sehr fasziniert von dieser Technik und werde sicher noch mehr Cinemagramme erstellen. Nun liegt es an Dir, etwas neues auszuprobieren. Eine Kamera und ein Stativ hast Du ja bestimmt schon. Auf geht’s…

Thomas Leuthard hat lange Zeit intensiv auf der Strasse fotografiert, bis ihm diese Art der Fotografie keinen Spass mehr machte. Nun experimentiert er in den verschiedensten Bereichen der Fotografie und unterstützt das Fotichaestli Team bei Informatik & Social Media Fragen.

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