Available Light Portraits auf der Strasse

Wie kam es zu den Available Light Portraits?

Wer meine Bilder kennt, weiss, dass ich fast ausschliesslich in S/W fotografiere. Ich bin auch sehr spartanisch unterwegs. Am liebsten nehme ich nur eine Kamera und eine Linse mit, weil ich ja schon vorher sehr genau weiss, was ich machen möchte. Der Plan war, einige schwarzweiss Available Light Portraits von Nora auf der Strasse zu machen. So wie wir es vor rund 5 Jahren bereits mehrfach gemacht haben. Das Problem ist, ich habe in der Zwischenzeit neue Linsen angeschafft und die wollte ich natürlich verwenden. Vor alle das Olympus 25mm f/1.2 soll ja dafür bestens geeignet sein. Am Ende des Tages stellte ich fest, dass ich beim nächsten Mal einfach nur das Olympus 45mm f/1.8 mitnehme, weil dieses Objektiv alles kann, was ich benötige. Oftmals ist weniger mehr und das sollte man bei der Vorbereitung konsequent beachten.

 

Available Light Portraits
25mm – f/1.2 – 1/2000 – ISO 200

Was werde ich für die nächsten Available Light Portraits einpacken?

  • Kamera (mit leerer Speicherkarte und vollem Akku)
  • Objektiv zwischen 50mm und 85mm Kleinbild
  • eine Flasche Wasser

Mehr benötigst Du nicht, denn wenn Du mehr mit nimmst, hast Du bestimmt immer das Falsche in der Hand. Ich habe 3-4 Mal die Linse gewechselt um am Schluss zu erkennen, dass eine Linse vollkommen gereicht hätte. Schliesslich ist es viel wichtiger, mit dem Model vorher abzusprechen, was für Bilder sie genau möchte. Ich dachte mir, ich probiere verschiedene Dinge aus, aber das war nicht im Sinn des Kunden. In der Zeit des Objektiv Wechsels kannst Du auch nicht mit dem Model kommunizieren, was aber elementar wichtig ist. Dein Model soll Deine volle Aufmerksamkeit bekommen und die Technik sollte so transparent und unsichtbar wie möglich sein.

 

Available Light Portraits
45mm – f/4.0 – 1/160 – ISO 1000

 

Wo fängt man an?

Ich finde es am wichtigsten, dass man mit der Person, die man porträtiert, laufend redet. So entspannt sich die Person und die Kamera wird in den Hintergrund gerückt. Da wir uns 5 Jahre nicht gesehen haben, gab es viel zu erzählen. Das einzige Problem beim vielen reden ist, dass man das auf den Bildern sieht. Also immer mal wieder eine Redepause machen, um 2-3 Bilder zu schiessen. Bei Portraits Shootings bin ich am erfolgreichsten, wenn ich die Person, die ich fotografiere, sehr gut kenne. Nicht umsonst bedeutet das berühmte Zitat von Robert Capa, dass man dem Porträtierten Menschen nahe sein muss und zwar nicht Physisch:

If your photographs aren’t good enough, you’re not close enough.

Aus meiner Sicht muss man einem Menschen nahe sein, um seine Persönlichkeit gut darstellen zu können. Schliesslich muss sich der Mensch wohl fühlen und das kann er nicht, wenn er von einem Fremden fotografiert wird. Natürlich ist das nicht immer möglich und man muss innert kürzester Zeit das Eis brechen können. Das ist die Kunst der kommerziellen People Fotografie und eine wichtige Facette der Persönlichkeit eines Fotografen.

 

Available Light Portraits
25mm – f/1.4 – 1/200 – ISO 200

 

Auf was achte ich bei Available Light Portraits?

Bei einem Portrait Shooting auf der Strasse habe ich keine Hilfsmittel zur Verfügung. Ich kann das Licht nicht setzen und muss mir immer wieder von neuem einen schönen und dezenten Hintergrund suchen. Aber genau darum geht es ja. Ich suche mir einen schattigen Ort, wo der Hintergrund zur Person oder deren Kleidung passt. Trägt sie dunkel, soll der Hintergrund nicht auch dunkel sein. Da ich schwarzweiss fotografiere spielen die Farben keine grosse Rolle. Aber auch bei farbigen Portraits kann man darauf achten, dass die Farbe der Kleidung oder Augen des Models im Hintergrund wiederholt oder wenigstens gut ergänzt werden. Bei Farbe solltest Du auch darauf achten, dass es im gesammten Bild nicht mehr wie 2-3 Farben hat. Zu viele Farben verwirren das Auge und lenken zu sehr ab.

 

Available Light Portraits
25mm – f/1.2 – 1/1200 – ISO 200

 

Mein Fazit

Ich bin immer wieder überrascht, wie einfach es geht, einen Menschen, den man gut kennt zu porträtieren. Natürlich hängt es auch von der Motivation, Kooperation und Sicherheit des Models ab. Ist jemand unsicher oder scheu, dauert es länger. Deshalb unbedingt ab und zu ein Foto zeigen, um dem Model zu zeigen, dass es gut läuft oder zum zu zeigen, wo es sich noch ein bisschen anders zu verhalten hat. Am einfachsten geht es jeweils, wenn man sich für einen Spaziergang trifft, ungefähr 2 Stunden Zeit einberechnet, viel redet, lacht und alles andere vergisst. Es soll sich nicht nach Fotoshooting anfühlen, sondern wie eine Zusammenkunft von zwei Freunden, die sich viel zu erzählen haben. Und wie gesagt, eine Kamera und eine Linse, dann musst Du auch nicht viel tragen.

 

Available Light Portraits
25mm – f/1.2 – 1/2000 – ISO 200

 

Available Light Portraits
25mm – f/1.6 – 1/250 – ISO 200

 

Available Light Portraits
25mm – f/1.2 – 1/125 – ISO 320

 

Available Light Portraits
25mm – f/1.8 – 1/640 – ISO 200
Avatar

Thomas Leuthard hat lange Zeit intensiv auf der Strasse fotografiert, bis ihm diese Art der Fotografie keinen Spass mehr machte. Nun experimentiert er in den verschiedensten Bereichen der Fotografie und unterstützt das Fotichaestli Team bei Informatik & Social Media Fragen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nach oben